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Wie gut, daß es sie gibt. Immer und noch. Seit neunzig Jahren. Und ist doch viel jünger.  Egal, man wird sie feiern, empfangen, ehren. Doch wir saßen einst beim Tee und waren neugierig aufeinander. Sie sagte Sätze wie: "Dieses Nachdenken, dieses Sich-Konfrontieren mit dem Eigenen, das ist ein anstrengender Prozeß!" Da hatte sie mich bereits fotografiert. Hildegard Ruoff trägt immer ihre kleine Kamera bei sich. Fotografiert den Zufall, auch die Notwendigkeit. Berührt das Unberührbare. Hat "Asphaltcollagen" verdichtet, Wege gewiesen. Zum Beispiel.

Immer fotografiert sie. Und dann wieder: "Das Analphabetentum des Herzens ist doch sehr weit verbreitet!" Leise sagt sie das, zärtlich. Danach erzählt sie vielleicht von ihrem Mann: Fritz Ruoff. Dem Maler, dem Suchenden, dem Gezeichneten, dessen Vielfalt sie in der Schellingstraße verwahrt und ausstellt. Ruft ihm noch heute liebevoll nach, macht ihn lebendig, schaut aus dem Fenster, streift die Farben und noch ein Satz, der bei mir geblieben ist: "Denk daran, was Baudelaire schrieb: Mein entblößtes Herz!" Später wieder Tee, Schlürfen und Lachen. Und eine Umarmung. Soll bleiben.

 

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